Erziehung früher und heute

Wie deckt man Mythen auf? Wir erzählen gern von früher und wie damals die Kindererziehung vonstatten ging. Oftmals wird von weniger Problemen gesprochen, viel von „Kinder hatten einfach zu gehorchen“, bis hin zu „Ein kleiner Klapps hat noch nie jemanden geschadet“. Man etikettiert dadurch aber unbewusst unsere Großeltern aber auch zu Menschen deren Hand oftmals recht locker saß.

Arbeiten, Kinder großziehen, Eltern sein

Wenn wir uns oftmals beschweren, dass vieles für uns Eltern in der heutigen Zeit nicht so einfach ist, sollten wir öfter mal an unsere Großeltern oder Eltern denken.

Hatten Sie es denn leichter als wir in unserer heutigen, schnellebigen Zeit? Beileibe nicht – es war nur anders.

Die Großmutter ging noch mit auf die Felder, die Kinder ebenfalls, unsere Eltern hatten vielleicht noch einen Garten, den es zu beackern galt, und selbstredend mussten die Kinder mit das Obst einbringen, mussten Erbsen und Bohnen pflücken und der Mutter beim Einmachen helfen – all das ist zum großen Teil heute in Vergessenheit geraten, doch wenn die frühere Generation der heutigen Generation davon erzählt, hören wir mit verklärtem Blick zu. War die Zeit früher wirklich so schlecht, nur weil die Kinder mit anzufassen hatten, was heute ein NoGo ist. Doch der Reihe nach.

Erziehung verhielt sich früher so, dass es nach der Schule im Hof oder Garten geholfen werden musste, oftmals hatten die Eltern noch einen Bauernhof auf welchem es immer etwas zu tun gab. Das war auch Sache der Kinder, denn nur war es den Eltern oder Urgroßeltern möglich, großenteils ohne Knechte etc. auszukommen.

 

Erziehung und billige Arbeitskraft?

Das diese Überschrift reizen tut ist uns klar – doch so sollte es auch sein. Erziehung in der Zeit bis 1960 hinein in die 70er-Jahre war geprägt dadurch, dass die Schulhefte stets dem Vater vorgelegt werden mussten, die Mutter war großenteils für die Küche zuständig. Der Vater führte teilweise ein hartes Regiment, und waren die Schulnoten nicht so, wie er es sich vorstellte, setzte es schon einmal etwas hinter die Ohren. Es kam auch schon einmal vor, dass das Kind sich bei dem Lehrer entschuldigen musste, und eine Arbeit noch einmal schrieb. Hatte man seine Schulaufgaben erledigt, musste man entweder der Mutter mit in der Küche helfen oder mit dem Vater aufs Feld – eine Option für Großstadtkinder war sich einen Groschen dazuzuverdienen, indem man Zeitungen austrug. Damals kam der Begriff der „Billigen Arbeitskraft“ auf, was revidierungsbedürftig ist, denn oftmals ging es gar nicht ohne Mithilfe der Sprösslinge. Oftmals fehlte den Eltern einfach das Geld um sich Knechte oder Mägde zu leisten, also mussten die Kinder nach der Schule mithelfen.

Das wurde auch nicht viel anders, als unsere Eltern bis in die 70er-Jahre hinein Gärten zu beackern hatten und eben auch dort die Kinder nachmittags Gemüse pflückten, Erbsen pulten oder was auch immer jahreszeitlich bedingt zu tun war. Es ging alles entwas ruhiger zu als noch in den 50er-Jahren und unsere Eltern spielten auch mit ihren Kindern, oftmals waren es Ballspiele oder Brettspiele – für mehr fehlte immer noch das Geld – und oftmals auch die Zeit.

Erziehung heute

In den 80er-Jahren war der Durchbruch hin „das Kind nicht zu überfordern“ dann endlich vollzogen. Zwar gab es immer noch Eltern, die die Kinder zum eventuellen Mähen des Rasens oder die Mutter eventuell bei der Hilfe im Haushalt heranzogen, doch das war bereits die Minderheit.

Nun galt es die Kinder zu bespaßen, ihnen den bestmöglichen Weg ins Leben zu schaffen, nichts, außer Schule und Kindergarten war von Wichtigkeit, das Lernen stand an oberster Stelle, gefolgt vom Fernsehen, den ersten Computern und natürlich freies Spiel wie bspl. Fußball oder Schwimmen. Hinzu kam, dass bei Mädchen Ballett und Klavierunterricht hoch im Kurs stand und natürlich wurde auch dieses gern von den Eltern finanziert. Für den Nachwuchs war in diesen Zeiten vieles machbar. Und so ist es auch heute nur. Mit einem Unterschied. Heute ist die Gesellschaft oftmals alleinerziehend, sodass wieder neue Probleme entstehen. Allerziehende Mütter sowie Väter haben genauso viel Arbeit zu wuppen, wie früher ihre Eltern, doch sie gehen heute anders mit dem Nachwuchs um. Die Welt hat sich verändert, sie ist schneller, sie ist vergnügungssüchtiger geworden. Langsam beginnt die Schere zwischen Arm und Reich auseinanderzuklappen, und das wird auch das Kind merken. Designerklamotten und DocMorris nicht zu tragen ist ein Makel. Allein, wenn man bedenkt, was heute Eltern auf sich nehmen um ihrem Nachwuchs eine gute Bildung sowie eine exzellente Erziehung zuteil werden zu lassen, verlangt Respekt. Sie nehmen sich oftmals selbst zurück, um ihren Kindern das bieten zu können, was andere Elternpaare ihren Kindern ebenfalls bieten. Ein schwieriger Spagat! Heute kann man nicht einmal mehr ganz genau sagen, welche Erziehungsmethode die bessere war.

 

Mythen ranken sich um alle Erziehungsmethoden, Fakt bleibt jedoch: Kinder die heute aufwachsen, durften noch nie so frei, so ungezwungen und so agieren wie es heute der Fall ist. Verständnisvolle Eltern haben dazu beitragen, dass heute eine Gesellschaft aufwächst, die Mut macht, dass selbst unsere Großeltern nicht alles falsch gemacht haben können, denn wir haben schließlich von ihnen gelernt.

Bleibt de facto festzuhalten: Jede Generation lernt von der anderen. Jede Generation hat ihre eigenen Erziehungsmethoden und die kommende Generation an Vätern und Müttern wird wieder anders agieren als derzeitig unsere Generation. So ist nur wünschenswert, dass ein jeder nach seiner Facon groß werden darf und sich frei entfalten kann – unabhängig von Alter und Geschlecht.

Wir werden diese Welt nicht besser machen können, doch wir werden unseren Kindern eine Zukunft hinterlassen müssen die ebenso lebenswert sein sollte, wie wir sie von früher her in Erinnerung haben.

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